Wer diesen Blog hier liest, der könnte auf die Idee kommen, ich würde seit dem ersten Bartflaum wild in der Gegend herumvögeln. Das täuscht. Das kann schon nicht stimmen, da ich ein Fünftel meiner bisherigen Lebenszeit mit einer Frau verbracht hatte. Vielmehr war ich schüchtern, sehr schüchtern, dumm. Wenn ich die Chance einer Zeitreise hätte, dann würde ich viele Gelegenheiten an ihren blonden, brünetten oder schwarzen Haaren packen. Zu meiner Verteidigung muss ich hinzufügen, dass ich zu der Zeit dieser kaum zu verzeihenden - da unterlassene - Sünden zwischen 18 und 20 Jahre jung war.
Unterlassene Sünde 1: K., die mir an einem Silvesterabend die Haustüre öffnete, ihren 16jährigen Körper gehüllt in einen weissen, flauschigen Bademantel und mit den Worten, dass ihre Eltern heute Abend nicht da seien. Sie buchsierte mich irgendwie ins Badezimmer. Sie öffnete dort den Bademantel, zog sich die Strümpfe an, ließ den Bademantel zu Boden gleiten, entschwand, kam mit geöffneter Bluse wieder, trug Schminke auf ... war schließlich irgendwann ganz angezogen, die Nerven aber lagen blank. Ich weiss nicht was mich abgehalten hat, das zu tun, was sie provozieren wollte. Ihre unrasierten Beine oder der Slip mit unschuldigen Blümchenmuster. Nach diesem Nichtvorwall war unser Verhältnis etwas gestört. Heute ist K. verheiratet, hat ein Kind und arbeitet als Juristin im Bundeswirtschaftsministerium.
Unterlassene Sünde 2: S war die absolute Traumfrau. Schlank bis zur Magersucht. Lange blonde Haare, wunderschön bewimperte blaue Augen. Jeden Samstag mit Vodka-Cola oder ähnlich süßem Zeug abgefüllt. Ab und zu hab ich sie nach Hause gebracht. Einmal - ich erinnere mich immer noch daran, als stünde sie vor mir - trug sie eine wirklich durchsichtige Bluse, ihre süßen Mini-Brüste nur durch einen Spitzen-BH vor den Blicken verborgen. Ich ging mit ihr also zu meinem Alfa 33 im Parkhaus. Bis sie kurz vor meinem Auto stehen blieb, leicht mit dem Fuß aufstampfte und vorwurfsvoll ein “jetzt tu mir endlich was” herausdrückte. Meine Rückfrage “was denn?” zerstörte die hocherotische Situation mit der Sicherheit einer Atombombe. S. hat sich dann einen anderen Lover zugelegt und ist vor erreichen des 20 Lebensjahres im Drogenrausch von einem Hochhaus gesprungen.
Unterlassene Sünde 3: V. war schlank, aber nicht das Knochengestell was man heute als “schlank” bezeichnen würde. Ich will den Grund nicht nennen, warum ich an diesem Tag ausgerechnet in einem Hotel übernachten wollte. Auf jedenfall meinte V., sie würde sich gerne das Hotelzimmer ansehen. Wir fuhren den Aufzug hoch, gingen ins Zimmer. Kurzer Smalltalk - ich verschwand ins Bad. Kam wieder heraus, frisch geduscht und angezogen. Sie hatte sich in einen Sessel trappiert und guckte “Tutti Frutti” auf RTL. Fragt mich nicht wie man diese Situation versemmeln kann, ich schaffte das. V. ist heute leitende Redakteurin eines Sportmagazins und sieht immer noch elends geil aus. Sie wäre noch zu haben.
Unterlassene Sünde 4: Eine namenlose Schönheit an der Bar in Scala, den damals angesagten Disco - Club würde man heute wohl sagen. Sie schon gut abgefüllt, ich lasse ihr noch einen Gin Tonic hinstellen. Sie erklärt mir beiläufig, dass sie gleich um die Ecke wohnt, fragt noch ob ich gut küsse ... und ging dann fünf Minuten später mit einem Halbsatz auf den Lippen, der das Wort “schwul” enthielt. Die Situation ist bei mir hängen geblieben, was schon ein kleines Wunder ist, denn das Skala hat ansonsten viele kleine alkoholgefüllte schwarze Löcher in meinen Gehirn hinterlassen. Ähnliche Situationen dürfte es mehr gegeben haben.
Unterlassene Sünde 5: Besser ist es um die Erinnerung bestellt, wenn es um die Unterlassungssünden als “Autofahrer” geht. An eine Situation kann ich mich recht gut erinnern: Ich hatte vor dem Haus angehalten, das letzte Mädchen (ich meine nicht die Optik) sitzt neben mir. Sie spricht die ungestellte Frage in den Raum: “Was jetzt?” Hoffentlich war meine Antwort nicht so kalt wie “nichts weiter”. Wenigsten war das Fräulein nicht zu sehr eingeschnappt. Eine ähnliche Situation mit einer Schulkameradin. Aber ich stand damals schon nicht auf große Brüste. Im Nachhinein betrachtet wäre es so was von egal gewesen ... Was die eine macht, kann ich nicht sagen, die andere ist Optiker-Meisterin.
Trotz aller Pannen eine geile Zeit, die ich nicht missen möchte, nicht nur wegen der Mädels, sondern auch wegen O. und M., damals meine besten Freunde. Man sahen wir damals gut aus. Lederjacken und rote Sportflitzer. Übrigens habe ich eine hier nicht erzählte Unterlassungssünde vergangenes Jahr wieder gut gemacht, richtig verdammt gut.